Chronik
Die Burg steht auf dem 272,2 m hohen Burgberg, heute fast ganz Weinberg. Burgberg und Schemelsberg sind Zeugenberge; Sulm und Stadtseebach haben sie vom Gebirgsstock der Löwensteiner Berge abgeschnitten. Beide führen eine Schicht Schilfsandstein, Stuttgart-Formation: das Gestein, aus dem Burg und Johanneskirche gebaut sind. An die zehn Brüche lagen im Umkreis, in Weinsberg selbst weitere, darunter ein sehr kleiner auf dem Burgberg; woher der Baustein kam, ist unbelegt.
Ein Baujahr fehlt; die Burg entstand wohl im frühen 11. Jahrhundert. Dass sie 1037 stand, bezeugt nur mittelbar eine um 1430, rund vier Jahrhunderte später aufgeschriebene Nachricht: Adelheid von Metz habe bis zur Stiftung des Öhringer Chorherrenstifts dort gewohnt. 1140 belagerte Konrad III. sie, schlug am 21. Dezember das Entsatzheer; die Besatzung ergab sich. Der König erlaubte, „dass jede forttragen dürfte, was sie auf ihren Schultern vermöchte“; die Frauen trugen ihre Männer hinab. Aufgeschrieben erst um 1175/1200 in der Kölner Königschronik, mindestens 35 Jahre danach. Belegen ließ sich die Geschichte nie, widerlegen auch nicht. Der Name „Weibertreu“ kam wohl erst im 18. Jahrhundert auf; davor hieß die Anlage schlicht Burg Weinsberg.
1504 nahm Herzog Ulrich von Württemberg die Burg; Kanonenfeuer beschädigte Bergfried und nördliche Ringmauer. Am 16. April 1525 erstürmten, plünderten und verbrannten Bauern sie. Seither Ruine; ihre Gestalt schuf nicht der Brand, sondern jahrhundertelange Steinabfuhr: Nach dem Stadtbrand 1707 gab das Herrscherhaus die Bruchsteine frei, die wertvolleren Quader sollten bleiben. Sie verschwanden trotzdem.
Justinus Kerner, ab 1819 Oberamtsarzt, beendete das. 1823 gründete er mit sechs Weinsbergerinnen den Frauenverein, den König Wilhelm I. 1824 mit der Ruine belehnte. Den Erhalt finanzierte der Verein unter anderem mit Ringen aus 14-karätigem Gold, jeder mit einem Steinchen der Ruine. Aus Trümmersteinen ließ Kerner die sogenannte „Kapelle“ bauen, nie eine Kapelle, seit 2005 ein Museum.
Erhalten sind die Ringmauer, teils wieder aufgemauert; im Nordosten der Dicke Turm, wohl unter Herzog Ulrich errichtet, möglicherweise erst hundert Jahre später; im Südosten ein Turm, unten rund, oben achteckig. Die Ruine ist gegen Eintritt zugänglich. Der Scan zeigt die begrünte Fläche zwischen den Mauern; in den Schießscharten des Dicken Turms sitzen Kerners Äolsharfen, die bei starkem Wind tönen.



