Schräge Luftaufnahme von der Talseite auf den Hang — in der Mitte der schlanke, quadratische Wohnturm aus rötlichem Sandstein-Mauerwerk mit schmalen Schlitzfenstern und Fensterläden in gelb-roten Winkelstreifen, oben ein dunkelrot verschaltes Holzgeschoss unter einem Zeltdach. An seiner Front führt eine überdachte Holztreppe zum Eingang hinauf, rechts schließt ein niedrigerer Mauerblock an. Davor ein kleiner Burghof mit niedrigen Mauerresten und einer Hinweistafel, im Vordergrund ein dachloses Mauergeviert hinter einem Geländer. Ringsum dichter Laubwald in Herbstfarben, grün, gelb und rostrot; dahinter steigt der Hang mit einem Pfad an, oben blauer Himmel.

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Burg Dauchstein

Binau, Baden-Württemberg · 1335 · SL-005

Chronik

Die Burg steht auf rund 210 m über dem Meer am Südhang des Neckartals, zwischen Binau und Obrigheim, oberhalb der B 37. Ihr Fels gehört nicht zum Gebirge: Er ist Kalktuff, abgeschieden von einer stark kalkhaltigen, kräftig schüttenden Quelle — Stein, der aus Wasser ausgefallen ist. Ludwig H. Hildebrandt beschreibt den mittelalterlichen Anblick als Burg auf einem weißen Felsen, wie ihn das Neckartal sonst nicht kennt. Daher wohl der Name: Tahenstein, Tugstein, Duckstein, Dauchstein, heute Tuffstein. Die Sage leitet ihn anders her, von einer Zollkette über den Neckar, die erst nach Zahlung gesenkt, „gedaucht“, worden sei. Der Turm selbst ist aus Buntsandstein gemauert; die Denkmalstiftung beschreibt seine Wände 2024 als unverputzt und rund 1,70 m stark. Ob an der Anlage auch Tuff verbaut wurde — Naeher notierte 1893 Kalktuff-Mauerwerk, Hildebrandt setzt dahinter ein Fragezeichen —, ist ebenso unbelegt wie die Herkunft des Sandsteins.

Um 1080/90 erscheint ein einziges Mal ein edelfreier Kuno von Tahenstein, bei einer Schenkung an das Kloster Reichenbach. Auf ihn stützt sich die verbreitete Datierung der Burg ins 11. oder 12. Jahrhundert; Wikipedia nennt „um 1030“. Danach schweigen die Quellen rund 250 Jahre. Ein Rüstholz aus dem Untergeschoss des Turms wurde dendrochronologisch auf den Winter 1334/35 datiert: Turm und Schildmauerrest entstanden um 1335. Hildebrandt folgert daraus zwei Burgen am selben Ort, die nichts miteinander zu tun haben. Von der ersten ist keine Bausubstanz bekannt; die Denkmalstiftung hält für möglich, dass ihre Mauern mit dem Abbau des Tuffs verschwanden.

Im Januar 1330 verpfändete Kaiser Ludwig die Mosbacher Zent an die Pfalzgrafen bei Rhein; Binau kam damit unter kurpfälzische Herrschaft. Hildebrandt sieht im Turm eine Zollburg, auf Geheiß der Pfalzgrafen gebaut, um die neuen Rechte am Fluss zu sichern. Die Denkmalstiftung schreibt den Bau dagegen Balduin von Luxemburg zu, Erzbischof von Trier, ohne einen Beleg zu nennen. Ab 1343/44 sind Konrad und Heinrich von Bynheim fassbar, ein Niederadelsgeschlecht, das sich nach Binau nannte. Von 1398 an sitzen die Herren von Helmstatt auf dem Dauchstein; ihnen wird der heute verfallene Wohnbau zugeschrieben. 1448 verkauften sie an Dieter von Bödigheim. Georg von Bödigheim nannte die Wohnung darin 1538 „fast schlecht“ — im Sprachgebrauch der Zeit: sehr schlecht. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam Binau durch Heirat an die Landschaden von Steinach, die sich mutmaßlich im Ort einen neuen Sitz bauten. Die Burg wurde nicht mehr bewohnt, der Wohnbau verfiel, aus seinen Resten entstand ein kleines Wächterhaus; 1676 ist das Untergeschoss des Turms als Gefängnis bezeugt. 1629 gingen Binau und der Dauchstein an die Herren von Hunoltstein, danach wechselte der Besitz noch mehrfach.

Der Wohnturm misst sechs mal sechs Meter und war ursprünglich etwa 20 m hoch. Zwei Eigenheiten fallen auf: Der Abort lag innen, mit einer Abflussröhre nach außen, und die Geschosse sind nicht über Holztreppen oder Leitern verbunden, sondern über einen engen, niedrigen Treppengang in der Mauer, an der schmalsten Stelle wenig über einen halben Meter breit. In den 1960er Jahren drohte der Abriss wegen Baufälligkeit. Das Landesdenkmalamt bestand auf der Sicherung; Heidelberger Studenten und ein örtlicher Baumeister sicherten Turm und Gelände und bauten die Räume aus, die Gemeinde legte einen neuen Zugang an. Damals kam auch das hölzerne Dachgeschoss mit Spitzdach hinzu, mit dem der Turm heute etwa 25 m misst. Er ist in Privatbesitz und bewohnbar ausgebaut; der Wanderweg führt über den Burghof, von außen ist die Anlage jederzeit zu sehen. Dach und Fugen wurden zuletzt mit Förderung der Denkmalstiftung Baden-Württemberg saniert, die die Burg im Januar 2025 zum Denkmal des Monats wählte.

Gegenüber, auf dem anderen Ufer, steht das Kernkraftwerk Obrigheim: ab 1965 gebaut, 1969 in Betrieb genommen, im Mai 2005 stillgelegt, seither im Rückbau. Den Fels, nach dem die Burg heißt, könnte man nach Hildebrandt wieder zur Geltung bringen: Man müsste ihn freistellen und das Quellwasser wieder darüber leiten. Der Scan zeigt den Turm im Herbstlaub: das dunkelrot verschalte Holzgeschoss, die überdachte Außentreppe, die Fensterläden in Gelb und Rot, den badischen Farben, und vor dem Turm ein dachloses Mauergeviert. Von oben liegen unterhalb die Bundesstraße und der Neckar.

Quellen

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