Chronik
Die Burg Ravensburg liegt in einer strategischen Position: 1,3 km östlich des Zentrums von Sulzfeld, eingebettet in einen Nebenarm des Kohlbachtals bei einer Höhe von 285,8 Metern über dem Meeresspiegel – und damit deutlich über dem Talgrund. Um die gesamte Anlage herum sind vorwiegend Weinberge zu finden. Das Baumaterial stammte aus unmittelbarer Nachbarschaft: Für die Errichtung wurde Mühlbacher Schilfsandstein verwendet, ein ockergelb bis grünlichgrauer feiner Sandstein der Stuttgart-Formation innerhalb des Mittelkeupers. Die Steinbrüche waren sowohl auf Mühlbach als auch in der Gemarkung Sulzfeld aktiv – insbesondere der Steinbruch von Sulzfeld sowie die Abbaugebiete bei Schaibern und am Kohlbrunnen lieferten plattige bis dünne Schichten, welche ursprünglich gerne für Mauersteine oder Platten genutzt wurden. Die Aufzeichnungen geben jedoch keinen Aufschluss darüber, welcher spezifische Bruch welchen Teil der Burg beliefert hat; diese Information fehlt.
Die lokale Hauschronik der Göler Familie datiert den Baubeginn auf etwa das Jahr 930 und führt einen Ritter namens Rabanus als Bauherrn an. Diese Zuweisung gilt heute meist als historischer Mythos. Eine andere Quelle ordnet die Burg dem Reichsministerialen Ravan von Wimpfen aus der Familie von Sulzfeld zu, welcher sie zwischen 1220 und 1222 zusammen mit seinen vier Söhnen errichten soll: Dazu gehören ein Bergfried, Wohn- und Wirtschaftsgebäude sowie eine umschließende Mauer mit einem Tor im östlichen Bereich. Trotz dieser früheren Angaben verzeichnet das zuständige Landesamt die Ravensburg in seinem Werksteinbuch als Bauwerk des 10. bis 11. Jahrhunderts. In der Nähe, etwa 13 km nördlich, thront Burg Steinsberg (SL-002), deren Bergfried ebenfalls ungefähr 30 Meter hoch ist und aus Keupersandstein-Buckelquadern besteht; auch dieser wird auf das Jahr um 1220 datiert.
Die Burg blieb während des Bauernkriegs von 1525 unangetastet. Im Gegensatz dazu erlitt sie im Schmalkaldischen Krieg Verluste: Am 24. Dezember 1546 belagerten kaiserliche Truppen Ravensburg, dessen Lehnsherr dem Bund angehörte. Die Garnison unter Bernhard I. Göler, bestehend aus seiner Familie, vier Söldnern, einigen Dienern und etwa zwanzig Bauern, kapitulierte nach wenigen Tagen und durfte frei gehen. Im Anschluss wurden jedoch Plünderungen und Zerstörungen durchgeführt; Spuren eines gewaltigen Brandes sind bis heute sichtbar.
Bernhard I. führte anschließend Umbaumaßnahmen durch, um die Anlage in eine Art Festung der Neuzeit zu verwandeln. Heute ist noch einer der ehemaligen Geschütztürme aus den Nordost- bzw. Südwestbereichen erhalten und verfügt über drei Wehrebenen. Von diesem Turm führt ein unterirdischer Gang, ähnlich einer Kaserne, zunächst nach Norden, dann weiter in Richtung Nordosten; bei dessen Bau wurde das aufgeworfene Material zu einem Wall vor der äußeren Mauer geschüttet. Dieser Gang gilt als einziger erhaltene unterirdische Verteidigungsdurchgang im Kraichgau und verband ursprünglich Tore, Geschütztürme sowie Mauern; über einen Treppenturm war von dort aus ein schneller Aufstieg zum Bergfried möglich. Der Brunnen, der einst vermutlich 45 Meter tief war, ist seit langem trocken. Die Sulzfelder waren dafür verantwortlich: Im Jahr 1617 reichten sie eine formelle Beschwerde mit 221 spezifischen Anmerkungen gegen die übermäßige Bautätigkeit ein.
Mit Beginn des 17. Jahrhunderts änderte sich der Fokus von der militärischen Wehrhaftigkeit hin zum Wohnkomfort. Eine große Residenz für Hans Friedrich Göler und Katharina von Mentzingen wurde errichtet, deren Wappen die Jahreszahl 1607 trägt, ergänzt durch zwei ausgedehnte Weinkeller. Die Behausungen des sogenannten „langen Herrn“ und des „dicken Herrn“ wurden in den Jahren 1807 bzw. 1822 als baufällig eingestürzt. Nach dem Ableben des letzten Bewohners, Johann Friedrich III. Göler im Jahr 1849, diente die Burg selbst einem Steinbruch; erst 1885 wurde sie von Naeher offiziell als Ruine deklariert. Seit den 1950er Jahren wird das Areal konserviert. Heute beherbergt ein Restaurant die Kernburg, und seit Sommer 2006 ist in einem der Kellerräumen eine Traukapelle zugänglich; Besucher können diese zu den regulären Öffnungszeiten besichtigen. Aufgrund von Sicherheitsbedenken war der Bergfried im Jahr 2022 für das Publikum gesperrt.
Der vorliegende Scan zeigt die Anlage auf Höhe des Daches, mit Blick über die Weinbergterrassen: man erkennt den dachtlosen Bergfried, die roten Ziegeldächer des Hauptkomplexes und den Sonnenschirm auf der Restaurantterrasse. Der Gang, nach dem dieser Text benannt ist, verläuft darunter und bleibt unsichtbar.
Quellen
- Burg Ravensburg — Szene auf superspl.at ↗
- Ravensburg (Sulzfeld) — Wikipedia (deutsch) ↗
- Burg Ravensburg — Burgenarchiv.de ↗
- Burg Ravensburg — Datenbank Bauforschung/Restaurierung, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg ↗
- Mühlbacher Sandstein — LGRBwissen, Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg ↗



